Ernährung

Die Sporternährungsindustrie und ihre Tricks

Sportnahrung Tricks
Florian Kolditz
Geschrieben von Florian Kolditz
KERNWERK - Digital Personal Training

Der Sporternährungsmarkt hat mehr Anbieter denn je, damit verbunden, natürlich zum einen eine größere Auswahl und zum anderen günstigere Preise durch den erhöhten Konkurrenzkampf. Für den Kunden an sich ja eine schöne Sache. Doch leider damit einhergehend, wollen einige Anbieter nicht wirklich auf ihre Gewinnmargen verzichten und wenden einige Tricks an, indem Sie nicht 100% transparent über ihre Zutaten sind. Wir wollen euch einen Einblick in die Industrie geben und euch einige Tricks aufzeigen, die oft zur Anwendung kommen, damit ihr eine informiertere Entscheidung beim Kauf von Sportergänzungsmitteln treffen könnt.

Proprietary Blends

Ein sehr beliebtes Mittel der Intransparenz sind sogenannte „Proprietary Blends“. Eine Proprietary Blend bezeichnet eine firmeneigene, geschütze Mischung und ist in der Sporternährungsindustrie ein gängiges Mittel, um seine Produkte vor der Konkurrenz zu schützen. Natürlich ist es legitim, wenn ein Unternehmen ein tolles und innovatives Produkt entwickelt hat, es vor Produktpiraterie schützen zu wollen. Doch leider bieten Proprietary Blends auch die Möglichkeit für Manipulationen. Einige Anbieter nutzen den Vorwand der Produktpiraterie, um letztendlich ihre eigenen Produkte zu manipulieren, indem sie die Mengen der einzelnen Zutaten verschweigen. Das ermöglicht es ihnen ihren Produkten den Anschein eines qualitativ hochwertigen Produktes zu geben, bestehend aus teuren und begehrten Zutaten, die aber in der Realität nur in winzigen Mengen enthalten sind, um sie in die Zutatenliste auf den Verpackungen aufnehmen zu können. Das bedeutet, dass sie die Produkte mit überwiegend billigen Zutaten herstellen, dann kleine Mengen qualitativer Zutaten hinzufügen, um das Gesamtprodukt letztendlich als Premium zu überhöhten Preisen anbieten zu können. Wie die meisten sicherlich wissen, müssen die Zutaten eines Produktes der Menge nach in absteigender Reihenfolge aufgelistet werden. Allerdings müssen in den Zutatenangaben nicht die genauen Mengen angegeben werden. Das ermöglicht natürlich Spielräume…

Der Gebrauch von „proprietary blends“ ist zum Beispiel tendenziell am häufigsten bei Proteinmischungen und Aminosäuremischungen zu beobachten. Die Zutatenliste der Produkte liest sich dann zum Beispiel wie „Proteinmischung (Soja Protein Isolat, Whey Protein Konzentrat, Whey Protein Isolat, Whey Protein Hydrolysat)“. Allerdings, wissen Sie nicht, ob Sie nun 250g billiges Sojaprotein und nur 1g der anderen teuren Whey Proteine bekommen. Dazu hier ein kleines Beispiel. Das fiktive Produkt enthält folgende Mengen an Zutaten:

tabelle

Den größten Anteil am Produkt haben eher preiswertes Sojaprotein und Whey Protein mit nur geringsten Mengen an teureren und qualitativ hochwertigeren Casein, Whey Isolat oder
hydrolysiertem Wheyprotein. Wie erwähnt, müssen die Zutaten laut Gesetz der Menge nach in absteigender Reihenfolge angegeben werden. Also theoretisch so wie in der Tabelle. Allerdings benutzen viele Anbieter einen kleinen Trick, wie oben im Beispiel zu sehen, indem sie als Hauptzutat „Proteinmischung“ angeben und danach in Klammern alle Zutaten der Mischung aufschlüsseln. Dadurch rutschen alle wichtigen Zutaten auf einmal an den Anfang der Zutatenliste, die dann auf einmal so
aussieht:

Proteinmischung (Sojaprotein Isolat, Whey Proteinkonzentrat, Whey Protein Isolat, Milchproteinkonzentrat, Mizelläres Casein, Calcium Caseinat), Geschmacksstoffe, Farbstoffe,Süßungsmittel, Andere…

Das sieht natürlich wesentlich hochwertiger aus als die Tabelle zuvor. Auf einmal stehen das
Casein, Whey Isolat und Milchprotein vor den anderen Zutaten wie Geschmacks- und Farbstoffe, obwohl sie in viel geringeren Mengen vorhanden sind. Diese Inhaltsangabe gibt also ein sehr verzerrtes Bild von den tatsächlichen Mengen im Produkt wieder. Zugegebenermaßen benutzt GoNutrition™ dieselbe Art und Weise die Zutaten anzugeben, indem es die Proteinmischung aufschlüsselt. Allerdings geben wir für jede Zutat der Mischung den genauen prozentualen Anteil an. Das Problem ist natürlich nicht, dass Ihr als Kunden jetzt minderwertige oder schädliche Produkte angeboten bekommt, aber doch durchaus zu viel bezahlen könnt, für die Qualität der Produkte, die Ihr am Ende tatsächlich bekommt. Außerdem werden nicht alle Zutaten gleichermaßen hergestellt: einige sind effektiver als andere, einige teurer und einige billiger. Deshalb legt ihr Euer Vertrauen vielleicht in die Effektivität eines Produktes, basierend auf den enthaltenen Zutaten und seid bereit einen gewissen Preis dafür zu bezahlen, welches aber am Ende dann vielleicht nicht halten kann, was es verspricht.

Protein Auffüller

Einhergend mit der Verschweigung der exakten Mengen einer Zutat in einem Produkt, benutzen viele Anbieter billige Auffüller und nur geringe Mengen an hochwertigeren Zutaten, um das Produkt dann letztendlich doch als Premium verkaufen zu können. Am häufigsten werden Auffüller in Protein- und
Aminosäuremischungen benutzt. Bei Proteinmischungen werden häufig in großen Mengen milchfreie Proteine wie zum Beispiel Sojaprotein hinzugefügt, welches in der Herstellung wesentlich billiger ist als zum Beispiel Whey Isolat. Natürlich ist es auch ein Protein, aber wesentlich weniger effektiv als andere.
Aminosäuremischungen werden häufig mit großen Mengen an billigem Glycin und Taurin gestreckt. Diese Zutaten sind zwar billiger, aber auch wesentlich weniger effizient als zum Beispiel essentielle Aminosäuren. Als Kunden bekommt Ihr daher mehr für Euer Geld, wenn Ihr ein reineres Produkt, bestehend aus mehr essentiellen Aminosäuren, kauft. Doch dazu müsst Ihr natürlich die genauen Mengen der Zutaten in einem Produkt kennen, um die Reinheit eines Produktes zu bewerten, was uns wieder zu den Proprietary Blends bringt.

ProteinSpiking

Zu guter Letzt wäre da noch das ProteinSpiking. ProteinSpiking bezeichnet ein Verfahren, den einige Anbieter im Sporternährungsmarkt anwenden, um die Ergebnisse eines Labortests zur Ermittlung des Proteingehalts eines Produktes zu manipulieren. Diese Zertifikate sollten eigentlich dazu dienen, um euch eine unabhängige Quelle für die Qualität eines Produktes zu geben. Dennoch werden diese Test manchmal so manipuliert, dass sie einen höheren Proteinanteil angeben, als tatsächlich der Fall ist. Und mit einem positivem, aber gefälschtem Laborergebnis in der Hand, kann der Anbieter natürlich behaupten, dass seine Produkte hochwertig sind und kann sie somit teurer verkaufen.

ProteinSpiking wird in der Regel dadurch erreicht, in dem man billige Aminosäuren wie zum Beispiel Taurin und L-Glycin zu einer Proteinmischung hinzufügt. Genauso wie teurere essentielle Aminosäuren oder verzweigtkettige Aminosäuren (BCAAs), sind Taurin und Glycin reich an Nitrogen, welches in diesen Tests als Ausgangspunkt für die Berechnung des Proteingehalts genommen wird. Das bedeutet, dass wenn der Proteingehalt getestet wird, es zu falschen positiven Testergebnissen kommt, was den augenscheinlichen Schluss nahelegt, dass das Produkt mehr Protein enthält als tatsächlich der Fall ist. Der einfachste Weg verfälschtes Protein zu vermeiden ist auf der Zutatenliste Ausschau nach dem vorkommen von Taurin und L-Glycin zu halten. Obwohl es völlig in Ordnung ist diese Zutaten zu verwenden, können sie durchaus ein Warnsignal dafür sein, dass der Anbieter den Proteingehalt seiner Proteinmischungen verfälscht. Dies ist besonders der Fall, wenn die Menge ungewöhnlich hoch ist, oder wenn das Produkt eine Billigmischung darstellt und dementsprechend preislich auffällt.

Fazit

Wir wollen definitiv nicht den Einsatz von gewissen Zutaten wie Sojaprotein oder Taurin verteufeln, denn auch diese haben ihre Vorteile und Wirkungen. Wir benutzen auch billigere Aminosäuren in unseren preiswerteren Produkten, wie zum Beispiel „Essentielles Protein“, aber im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern, sind wir sehr transparent über die Mengenangaben die wir verwenden und haben auch nicht die Absicht mit deren Einsatz unsere Produkte qualitativ zu manipulieren.

Diese Beispiele sollten euch lediglich zeigen was möglich ist. Wir behaupten auch keinesfalls, dass alle Anbieter diese Tricks benutzen, aber wir glauben dennoch, dass es viele sind. Dieser Artikel sollte euch dazu ermuntern, bei der Auswahl eurer Produkte mehr auf diese kleinen Hinweise zu achten und mehr Transparenz einzufordern. Wir sind schon recht lange in dieser Industrie aktiv und kennen daher die Tricks. Deshalb haben wir uns bei unserer Gründung das Kredo auferlegt, immer transparent über unsere Produkten zu sein, und offen und ehrlich mit unseren Kunden umzugehen, auch wenn es der Konkurrenz die Möglichkeit gibt uns zu kopieren.

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Über den Autor

Florian Kolditz

Florian Kolditz

Florian Kolditz ist Physiotherapeut und Lehrer für Fitness. 2005 gründete er unter dem Nicknamen "de-fortis" Muscle-Corps. Seit 6 Jahren ist er als Trainer und Berater im Gesundheitsbereich tätig.

Florian ist seit über 10 Jahren im Krafttraining aktiv und schrieb bereits über 100 Artikel für Muscle-Corps.

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