Wissenswerte Grundlagen

Körpertypen

Körpertypen Somatotypen
Florian Kolditz
Geschrieben von Florian Kolditz

Körpertypen und deren Bedeutung im Sport

Jeder kennt sie, Studiobesucher die wie ein definierter Bär aussehen, ohne zuvor großartig trainiert zu haben… Oder der schon immer etwas mopsige beste Kumpel mit schweren Knochen. Nicht zu vergessen die wirklich drahtigen Hardgainer die angeblich essen können was sie wollen, ohne auch nur 1 Gramm zuzunehmen.

Der folgende Artikel stellt diese Körpertypen hinsichtlich ihrer körperlichen Eigenschaften vor und gibt einen groben Überblick über die bisherige Einteilung.

Die Einteilung der Körpertypen

Körper, Konstitutions- oder auch Somatotypen, werden mehr oder weniger pauschale Einteilungen des Menschen in seine äußere Gestalt und dessen primäre Eigenschaften genannt. Ich möchte auf 2 der bekanntesten Einteilungen eingehen, der nach Kretschmer und der nach Sheldon. Beide Schemata ähneln sich in ihrem Aufbau, Kretschmers Einteilung jedoch findet zumeist im medizinischen Fachbereich Anklang, wobei Sheldons Einschätzungen vermehrt im Bereich Sportmedizin und -Traininglehre eingesetzt werden [1].

Eine Ausnahme in der Konstitutionstypenbestimmung machte Conrad [2], er kam von der Teilung in 3, auf 2 hauptsächliche Körpertypen die er leptomorph (vergleichbar mit leptosom) und pyknomorph (vergleichbar mit pyknisch) nannte. Diese unterteilte er zusätzlich in hyperplastisch und hypoplastisch. Die Variationsreihe hyper/hypoplastisch, setzt sich aus der Summe von Umfängen der Schulterbreite, Hand und dem des Unterarms zusammen [2]. Der Vorteil dieser Einteilung ist, dass sie sich auch ohne weiteres geschlechtsspezifisch anwenden lässt und für Mann und Frau geltend gemacht werden kann.

Zitat:

Kon|stitution (…); 1. (psychol.) Gesamtheit der körperl. u. geistigen Eigenschaften eines Menschen; das Konstrukt der K. ist Grundlage umstrittener Einteilungen in sog. Konstitutionstypen (z.B. pyknischer, athletischer, leptosomer u. dysplastischer Konstitutionstyp nach Kretschmer), deren beobachtete Beziehungen zu psych. Störungen im Wesentl. durch method. Artefakte bedingt sind; 2. (chem.) (…).
Aus: Pschyrembel (261.A.) S. 1021 [3]

Einteilung der Körpertypen nach Kretschmer

Leptosomer Typ: Lang gewachsener, schlanker Körperbau, wenig Unterhautfettgewebe, schmales ovales Gesicht, häufig markantes Nasenprofil. Übergang einerseits zum Athletiker (Athletoleptosom) oder zum schwachen, unterentwickelten Körperbau (Astheniker).[4]
Athletischer Typ: Breitschultrig, muskelstarker, meist mittelgroßer Typus mit breitem Brustkorb, kräftigem Körperbau, schmalem Becken. [4]
Pyknischer Typ: Mittelgroß, gedrungener Körperbau mit relativ dünnen Gliedmaßen, großen Leibeshöhlen und starkem Fettansatz, besonders am Rumpf. Rundes Gesicht mit weichen Konturen, kurzer Hals; Männer häufig mit Glatze (Halbglatze).[4]

William Sheldon entwickelte 1942 eine Einteilung, bei der er sich 4000 Studenten bediente und ihre Körperproportionen analysierte [5], seine Theorien beziehen sich auf 3 Keimblätter der Embryologie, dass Endoderm (inneres Keimblatt), Mesoderm (mittleres K.) und Ektoderm (äußeres K.). Diese 3 Schichten sind Grundlage für das entstehen der inneren Organe. Er erschuf nach seinen Untersuchungen 3 Somatotypen [6]:

Ektomorph: schmaler Körperbau, lange dünne Gliedmaßen, schlanke Muskeln, erhöhter Stoffwechsel

Endomorph: rundlich, dicker, jedoch kräftiger Körperbau, neigt zu schneller Fettzunahme

Mesomorph: muskulöser, breiter Körperbau, gut sichtbare Muskulatur, hohes Kraftniveau

Sicherlich kann man nun auch feststellen, dass die Typen Kretschmars denen von Sheldon ähneln, obgleich beide Forscher andere Herangehensweisen für die Entwicklung ihrer Theorien verwendeten. So entsprechen Ekto-, Meso- und Endomorph in ihren groben Eigenschaften dem leptosomen, pyknischen und athletischen Körpertyp. Weiterhin war Sheldon der Ansicht, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Psychologie (den Temperamentstypen) und den Konstitutionstypen gibt und diese direkt miteinander korrelieren, also in Verbindung stehen. Die 3 Temperamentstypen gliedern sich folgendermaßen:

  • Cerebrotonie – nach innen gekehrte, gesellschaftsscheue, nachdenkliche, oft pessimistische Menschen mit verkrampfter Haltung
  • Viscerotonie – tolerante, gesellschaftsliebende, bequeme/gemütliche Menschen mit träger Haltung und ausgeglichenem Gefühlsbild
  • Somatotonie – offene, energiegeladene, selbstbewusste, risikofreudige Menschen mit aufrechter Körperhaltung

Der ein oder andere Leser zieht jetzt vielleicht schon Rückschlüsse im Bezug auf oben genannte Körpertypen beim lesen der 3 Temperamente. Vielleicht erkennen einige ja ihre Überlegungen, in nachfolgendem Vergleich wieder: ektomorph = Cerebrotonie, endomorph = Viscerotonie, mesmorph = Somatotonie.

Kritik und Bezug auf den Sport

KörpertypenSheldons und Kretschmars Einteilungen sind ansich sehr pauschal gehalten, auch wenn wirklich viele Parameter und Faktoren zur Findung verwendet wurden sind, so werden bspw. innere und äußere Einflussfaktoren völlig außer acht gelassen. Die Einteilung auf ein großes Feld von Menschen lässt sich gut und gerne mittels Konstitutionstypen vornehmen. Ein einzelner Mensch aber ist immer ein Mischtyp, bei dem zwar einer der 3 Körpertypen überwiegt, er allerdings selten nur einem dieser zugeordnet werden kann.

Auch in der Medizin werden nur die meisten Übereinstimmungen analysiert und zu einem Typ zusammengefasst. Viele stellen sich mit Sicherheit die Frage ob sie ihren äußeren Körpertypus ändern können, diese Frage kann man mit Ja beantworten, Menschen die in eine ungesunde Lebensweise fallen, großem Stress und fehlender körperlicher Belastung ausgesetzt sind, können sich äußerlich ohne weiteres in den pykinischen/endomorphen „verwandeln“. Ebenso auch umgekehrt kann ein Couchpotato mit richtigem Training und der dazu passenden Sporternährung zum mesomorphen/athletiker werden. Hier sieht man auch, dass sich die Körpertypenschemata ähnlich wie auch beim BMI, nicht einfach pauschal auf Sportler anwenden lassen können.

Natürlich aber spielt die Genetik keine untergeordnete Rolle, ein überwiegend ektomorpher Pommesarm hat selten das Potential zum Massemonster zu mutieren. Da hat u.a. der Stoffwechsel noch ein Wörtchen mitzureden.

Quellen/Literatur
[1] „Körperbautyp“ http://de.wikipedia.org/wiki/Koerperbautyp
[2] Sportanthropologische Untersuchungen zur Konstitutionstypologie von Kampfkünstlern der Sportart Karate – Jürgen Fritzsche http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2006/2604/pdf/FritzscheJuergen.pdf
[3] Pschyrembel (261.A.) S. 1021
[4] Benninghoff A., Drenckhahn D. (Hrsg.). (2003). Anatomie Band 1. 16.A. Elsevier: München
[5] Sheldon William Herbet (1899-1977)
[6] Somatotype http://www.britannica.com/EBchecked/topic/553976/Somatotype#ref73399 16.08.2008

Über den Autor

Florian Kolditz

Florian Kolditz

Florian Kolditz ist Physiotherapeut und Lehrer für Fitness. 2005 gründete er unter dem Nicknamen „de-fortis“ Muscle-Corps. Seit 6 Jahren ist er als Trainer und Berater im Gesundheitsbereich tätig.

Florian ist seit über 10 Jahren im Krafttraining aktiv und schrieb bereits über 100 Artikel für Muscle-Corps.

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