Gesundheit und Sportmedizin

Rehabilitation mit Kniebeugen bei Knorpel- & Meniskusschäden

Rehabilitation mit Kniebeugen
Romano Stadler
Geschrieben von Romano Stadler
KERNWERK - Digital Personal Training

Die Rehabilitation mit Kniebeugen bei Knorpel & Meniskusschäden ist im Krafttraining ein effektives Mittel zur Bekämpfung und Therapie.

Insbesondere Front- und bulgarische Kniebeugen zählen zu den grundlegenden Übungen im Muskulatur – bzw. Kraftsport. Diese Übung wird für gezieltes Bein- und Gesäßtraining in einer durchdachten Trainingsplanung gerne berücksichtigt.

In diesem Artikel soll die Frontkniebeuge aber zeigen, welchen Nutzen sie in der Rehabilitation hat. Der Fokus liegt auf traumatischen und degenerativen Knorpel & Meniskusschäden.

Anatomie Kniegelenk

Das Kniegelenk ist ein Dreh- und Scharniergelenk. Im gestreckten Zustand sorgt es für die Stabilität des Beines, im gebeugten Zustand sorgt es für die Innen- sowie Außenrotation des Unterschenkels.

Das Gelenk wird aus dem Schenkelbein, dem Schienbein und der Kniescheibe gebildet.

Ein hyaliner Knorpelüberzug auf den Gelenkflächen fängt Druckeinwirkungen auf das Gelenk ab.

Eine Faserknorpelschreibe liegt zwischen je einem Gelenkknochenpaar. Genannt werden diese Menisken. Die Menisken sind für eine Reduzierung des Gelenkdrucks- sowie Stabilisierung des Kniegelenks verantwortlich, indem sie sich bei verschiedenen Bewegungen des Unterschenkels den unterschiedlichen Krümmungsradien des inneren- und äußeren Schenkelbeinknorrens anpassen.

Im Gegensatz zum Schultergelenk erfolgt die Sicherung des Kniegelenkes durch eine feste Bandsicherung. Zu den Bändern gehören das innere und äußere Seitenband. Hauptaufgabe ist die Sicherung der Scharnierbewegung, indem das Standbein durch ihre Anpassung festgestellt wird. Das vordere und hintere Kreuzband hat die hauptsächliche Aufgabe in der Beugung das Kniegelenk zu stabilisieren, da die Seitenbändern in dieser Bewegung zum Teil erschlaffen.

Die Belastbarkeit des Knies hängt auch von der Balance zweier Muskelgruppen ab. Zum einen ist es die Gruppe der Streckmuskulatur wie z.B. der M. Quadriceps Femoris, zum anderen die Gruppe der Beugemuskulatur wie z.B. der M. Biceps Femoris.

Traumatischer Meniskusschaden

Diese Art des Knieschaden zeichnet entsteht aufgrund direkter oder indirekter Krafteinwirkungen wie z.B. durch ein Verdrehtrauma. Die Menisken reißen durch zu hohe Druck- oder Scherkräfte. Oft entstehen diese Verletzungen bei Sportunfällen. Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen sind die Folge.

Degenerativer Meniskusschaden

Dieser Meniskusschaden, auch oft Kniearthrose genannt, entsteht über einen längeren Zeitraum durch Fehl- oder Überbelastungen. Dieser Meniskusschaden entsteht auch aufgrund des Alterungsprozesses, weil die Ernährung der Menisken mit Nährstoffen über die Gelenksflüssigkeit zunehmend eingeschränkt wird. Die Elastizität des Gewebes lässt nach, Risse entstehen – die Widerstandskraft verringert sich.

Allgemeine Rehabilitation eines Meniskusrisses

Einen Meniskusriss kann nach Lokalisation und Rissform unterschieden werden. Auch die Behandlungsarten sind je nach ärztlicher Diagnose vielfältig.

Die möglichen Behandlungsarten sind u.a:

  • Operation
  • medikamentöse Schmerztherapie
  • Physiotherapie
  • konserativ

Die Durchführung von der Kniebeugen zählt zu den konservativen Therapiemethoden. An dieser Stelle sei verdeutlicht, dass die Frontkniebeuge nur durchgeführt werden sollte, wenn der behandelnde Mediziner diese Art der Therapieform  empfiehlt. Der Front Squat ist kein Ersatz für eine notwendige Operation und sollte als ein Baustein der gesamten Therapie angesehen werden.

Ab wann ist die aktive Bewegung des Kniegelenkes in der Therapie eines Meniskusrisses empfehlenswert?

Diese Frage lässt sich nicht grundlegend, sondern nur individuell beantworten. Aber es gibt Richtlinien zur Orientierung.

Teilentfernung des Meniskus:

  • innerhalb der ersten 4 Wochen nach der OP sollten nur leichte Belastungen erfolgen
  • nach 4 Wochen kann in der Regel mit einer aktiveren Behandlung begonnen werden

Der Meniskus wurde genäht:

  • innerhalb der ersten 4 Wochen nach der OP sollte das Kniegelenk vollkommen entlastet werden
  • nach 6 Wochen kann in der Regel mit einer aktiven Rehabilitation angefangen werden

Teileinriss des Meniskus:

  • eine konservative Behandlung inkl. sportlicher Rehabilitation kann sofort erfolgen

Rehabilitation mit Kniebeugen bei Arthrose

Da ein Gelenkknorpel in der Regel sich nicht komplett neubilden kann, ist die Arthrose nicht direkt heilbar. Die langsame Neubildung des Knorpels ist vielmehr als eine Art Regenerationsknorpel anzusehen, der weniger widerstandsfähiger ist. Das Ziel einer Therapie in Form von rehabilitativem Training, auch mit Frontkniebeuge, soll zu einer Entlastung der Knorpelflächen führen und eine Schmerzlinderung bewirken.

Welche Bedeutung hat das gezielte Training bei einem Meniskusschaden?

Bei der Betrachtung der Anatomie des Kniegelenkes kann man feststellen, dass das Gelenk ein komplexes Gebilde aus Knochen, Bändern, Menisken und unterschiedlichen Muskulaturen ist.

Um die Funktionstüchtigkeit zu verbessern bzw. wiederherzustellen, ist ein Reiz auf die genannten Strukturen notwendig. D.h aufgrund der sportlichen Aktivität wird dafür gesorgt, dass die Bänder zur Stabilisierung straffer, die Menisken zur Druckreduktion widerstandsfähiger und die Muskulaturen für die Belastbarkeit stärker werden.

Welche Bedeutung hat die Frontkniebeuge im Rehabilitationstraining?

Die Kniebeuge ist eine von mehreren Übungen, die als Teil des gesamtheitlichen Rehabilitationsprogramms angesehen werden kann.

Bei den aufgeführten Krankheitsbildern spielt die Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur, sowie Stabilisierung der angrenzenden Gelenke eine zentrale Rolle.

Dem „vastus medialis“, ein Teil vom M. quadriceps, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Dieser stabilisiert, falls gut trainiert und ausgeprägt, die Patella und verhindert schwerwiegendere Achsenabweichungen im Kniegelenk.

Gleichzeitig unterstützen moderate Mobilisierungsübungen, als auch Dehnung der Bein- und Hüftbeuger bei Kniearthrose.

In dem Fachartikel „ A biomechanical comparison of Back and Front Squat in healthy trained individuals” von u.a Johnathan C. aus dem Jahr 2009, wurde die Problematik der Scher- und Kompressionskräfte bei Front Squat und Back Squat aufgezeigt.

Diese Untersuchung zeigte deutlich, dass bei Frontkniebeugen die Kompressionskräfte auf das Knie geringer ausfallen, als bei klassischen Kniebeugen. Die muskuläre Beanspruchung bleibt davon aber unberührt.

 

Bestandteil der Rehabilitation bei traumatischen Meniskusschäden:

  • Kräftigungsübungen
  • sinnvolle Mobilisation
  • Koordinationsübungen
  • Vermeidung von Rotation
  • Fußgymnastik

Bestandteil der Rehabilitation bei degenerativen Meniskusschäden:

  • Fahrradergometer für gezielte Gleitbewegung des Knie
  • Kräftigungsübungen
  • Dehnung der unteren Extremitäten
  • 3x täglich Eisbehandlung a 15 min.
  • Fußgymnastik

 

Beispielplan inklusive Frontkniebeuge

Woche 1 – 4

GK

3 – 4 Sätze

15- 20 Wdh

Frontkniebeuge

Rudern am Kabelzug

Hyperextension

Bankdrücken

Bauchpresse

 

Woche 5 – 8:  Split 1

3 Sätze

15 Wdh.

Frontkniebeuge

Beinbeuger

Beinstrecker

4-5 Sätze

12 Wdh.

Frontziehen am Latzug

Facepulls

Hyperextension

Bizeps-Curl mit SZ-Stange

Woche 5 – 8:  Split 2

4 – 5 Sätze

12 Wdh.

Bankdrücken

Flys am Kabelzug

Bauchpresse

Russian Twist

Plank

Seitheben mit KH

Trizepsdrücken am Seilzug

Fazit

Die Frontkniebeuge ist unter der Voraussetzung, korrekter Ausführung und angemessenen Gewicht, eine hilfreiche Übung im rehabilitativen Sport und stellt damit eine gute Alternative zu den bewährten Standartübungen, wie z.B Beinpresse, Beinstrecker und Beinbeuger, dar. Es sei aber nocheinmal verdeutlicht, dass der Einsatz dieser Übung immer von der Art und Ausmaß der Knieverletzung abhängt.

Quellen

https://books.google.de/books?id=PxkiBAAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=Rehabilitation+Knie&hl=en&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=Rehabilitation%20Knie&f=false

  1. 81

https://books.google.de/books?id=jjAlBAAAQBAJ&pg=PA203&dq=Rehabilitation+Knie&hl=en&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=Rehabilitation%20Knie&f=false

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Meniskusschaeden.110272.0.html

Über den Autor

Romano Stadler

Romano Stadler

Romano Stadler ist studierter Fitnessökonom und seit 2010 als Trainer und Berater im Gesundheitsbereich tätig.

Close