Ernährung

Carnitin und Sport

MarmorStein
Geschrieben von MarmorStein
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„Ich jogge nun schon seit zwei Wochen, und nehme immer noch nicht ab“ beklagt sich die Fitnesstudiokundin. „Nun, da müssen Sie Carnitin nehmen, das hilft der Fettverbrennung. Zum Glück haben wir hier ein entsprechendes Präparat äußerst günstig im Angebot“, antwortet der Fitnessstudioangestellte. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Nun denn, was ist dran, am Carnitin?

Allgemeines über Carnitin

Das 1905 entdeckte Carnitin, auch Beta-OH-Gamma-Trimethylaminobuttersäure genannt, kann vom Körper selbst (in der Leber) aus der Aminosäure Lysin gebildet werden [1]. Vegetarier nehmen täglich im Schnitt 2mg, Mischköstler ca. 32mg davon durch die Nahrung auf [1]. Unter den besonders carnitinreichen Nahrungsmitteln befindet sich das Fleisch (Schaf 210mg, Rind 70mg, Schwein 30mg; Angaben pro 100g Nahrungsmitteln), pflanzliche Lebensmittel verfügen über eher geringe Mengen (Tomaten 2,9mg, Birnen 2,7mg, Erbsen 1,2mg; Angaben pro 100g Nahrungsmittel) [1].

Ganz ohne Carnitin kommen scheinbar Karotten und Kartoffeln daher [1]. Carnitin ist wasserlöslich und wird zum Teil beim Kochen aus den Lebensmitteln gelöst [1]. Carnitin findet sich nicht auf der Verbotsliste der WADA (2008) wieder [5].

Aufgaben

Die Funktionen des Carnitins sind bisher nur unvollständig bekannt [1]. Gesichert ist, dass langkettige Fettsäuren an Carnitin gebunden durch die innere Mitochondrienmembran geschleust werden und somit der Beta-Oxidation zugeführt werden können [1][2]. Im Endeffekt bedeutet dies, dass Carnitin das Wägelchen ist, welche die Kohle im Kraftwerk zum Ofen bringt, so dass diese verbrannt werden kann und somit Energie freigesetzt wird.

Scheinbar existieren auch Hinweise darauf, dass Mittelkettige Fettsäuren kein Carnitin zum Transport über mitochondriale Membranen benötigen und dass Carnitin für die Oxidation dieser Fettsäuren eine Rolle spielt [1].

Carnitin und Sport

Nun endlich zu der Frage: Bringt mir die Einnahme von Carnitin-Präparaten irgendetwas bezüglich meiner Abenehmwünsche oder im Sinne einer verbesserten Leistungsfähigkeit? Die klare Antwort laut aktuellem Wissensstand lautet: nein [1][2][3][4].

Zitat:

Eine Supplementation mit Carnitin während etwa einem Monat erhöht die Plasmacarnitinkonzentration, nicht aber die Konzentration in der Muskulatur. Die klinischen Studien an Gesunden zur Frage einer Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Minimierung der Ermüdbarkeit kamen zu keinem überzeugenden positiven Ergebnis. Auch die maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung konnte durch Gabe von Carnitin nicht gesteigert werden (…).
Aus: [1], S.23, Autoren berufen sich auf die in diesem Artikel zitierte Studie [3]

Zitat:

Gut kontrollierte Studien haben (…) gezeigt, dass eine Supplementation mit Carnitin keine Effekte auf Leistung bzw. auf die Geschwindigkeit der Fettsäurenoxidation hat.
Aus. [2], S.332

Offensichtlich reicht beim gesunden Menschen die Eigensynthese und/oder die Aufnahme von Carnitin über die Sporternährung (ohne Supplemente) aus, um den Bedarf zu decken [2][3].

Literatur
[1] Kasper H. (2004). Ernährungsmedizin und Diätetik. 10.A. Elsevier Urban & Fischer: München
[2] Biesalski H.K., Grimm P. (2004). Taschenatlas der Ernährung. 3.A. Georg Thieme Verlag: Stuttgart
[3] Brass E.P. (2000). Supplemental carnitine and exercise. Am J Clin Nutr;72(suppl):618S–623S.
[4] http://www.dr-moosburger.at/pub/pub011.pdf (aufgerufen am 28.08.2008)
[5] Verbotsliste WADA 2008 (aufgerufen am 15.02.2016)

Über den Autor

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Der unter "MarMorStein" registrierte User ist langjähriger Fitness- und Breitensportler mit abgeschlossenem sportwissenschaftlichem Studium, mehreren Jahren Forschungserfahrung in der sportwissenschaftlichen Forschung, multiplen Sporttherapeuten- und Fitnesstrainerfortbildungen mit mehrjähriger praktischer beruflicher Erfahrung in diesen Bereichen sowie angehender Arzt.

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