Ernährung

Bulletproof Coffee: mit Butterkaffee das Frühstück ersetzen?

Bulletproof Coffee: Frühstück mit Butterkaffee ersetzen
Florian Kolditz
Geschrieben von Florian Kolditz

Bulletproof Coffee, also kugelsicherer Kaffee – was zum Henker ist das denn schon wieder? Ich hätte schwören können das Chia Samen, Gojibeeren und Spirulina Algen genügen, aber der Optimierungswille über Superfoods und sog. Lifehacks scheint da größer und ungebrochen.

Beugen wir uns diesem Trend und gehen der Sache mit dem Kaffee und dessen versprochenen Wirkungen auf den Grund. Für Wen ist der Bulletproof Coffee geeignet? Was für Effekte auf den Körper hat er? Und ist es sinnvoll einen solchen „optimierten“ Kaffee in das Frühstück und damit auch die Sporternährung  zu integrieren?

Was verbirgt sich hinter Bulletproof Coffee?

Für alle die zunächst mit dem Begriff Bulletproof Coffee nichts anzufangen wissen: es dreht sich hier um ganz normalen Kaffee, der mit etwas Butter und Kokosnussöl „gepimpt“ wird. Versprochen wird dadurch sofort zur Verfügung stehende Low-Carb Energie, die durch das Kokosöl und dessen mittelkettige Triglyceride (MCT) sehr zügig in der Leber ankommt. Hierdurch erhofft man sich einen raschen Energiekick, gekoppelt mit der allgemein pushenden Wirkung von Koffein.

Dieser Kaffee soll in der Theorie das Frühstück ersetzen, lange satt machen und zusätzlich die Konzentration steigern. Zudem soll das Koffein-Fettgemisch den Stoffwechsel ankurbeln. Auch Grüner Tee wird übrigens mancherorts kugelsicher gemacht.

Bekannt wurde die Idee durch Dave Asprey, ein sog. Biohacker welcher der festen Überzeugung ist, dass Butter so ziemlich das beste ist, was man am Morgen in seinen Kaffee kippen kann. Wer sich jetzt fragt wie ein Rezept für solch einen Kaffee aussehen kann:

  • 1-2 Tassen Kaffee
  • 1-2 Esslöffel Butter (bestenfalls Bio, grasgefüttert und ungesalzen)
  • 1-2 Esslöffel MCT-Fett (z.B. aus Kokosnussöl)
  • mixen und fertig

Gesättigte Fette – Fluch oder Segen?

Den meisten Leuten und gerade Sportlern stellen sich sofort die Nackenhaare auf, wenn gesättigte Fette zur Sprache kommen, aber ist dies berechtigt? Grundsätzlich haben diese Fette bei weitem nicht mehr den schlechten Ruf, wie vor einigen Jahren [1]. Im Gegenteil: ihre Verdauung dauert sehr lange, sodass sie eine größere Verweildauer im Magen haben und dadurch einen sättigenden, „füllenden“ Effekt mit sich bringen.

Auch die ganze Cholesterin Diskussion ist beim gesunden Maße an Fett eher hinfällig. Qualitativ hochwertige Studien zeigten das ein normaler Konsum nicht mit Herzerkrankungen in Verbindung gebracht werden kann, eine erhöhte Verzehrmenge spricht zudem nicht eindeutig dafür [2][3].

Vorteile des Kokosöls im Kaffee

Kokosöl besteht zu über 50% aus den angesprochenen mittelkettigen Fettsäuren, diese werden schnell verdaut, da der Körper sie ohne Gallensäure und fettspaltende Enzyme auseinandernehmen kann. Dies wiederrum bedeutet, dass dieses Fett dem Körper schnell zur Verfügung steht und über das Blut zügig in den Mitochondrien, den sog. Kraftwerken der Zelle, ankommt. Desweiteren sollen die vom MCT Fett aufgebauten Ketonkörper für weniger Hunger sorgen und dem Hirn als Energielieferant dienen.

Regelmäßig verwendet, helfen die mittelkettigen Triglyceride aus Kokosöl tatsächlich beim Körperfett reduzieren [4]. Außerdem wird dem Öl aus der Kokosnuss eine antivirale, darmbakterienfreundliche und demenzeindämmende Wirkung zugeschrieben. Für unseren Kaffee relevant bleibt jedoch, die schnelle und unproblematische Energiebereitstellung in Kombination mit einer Stoffwechselanregung.

Selbst wenn ich das Kokosöl nicht in den Kaffee gebe, so macht die Ergänzung für die tägliche Ernährung durchaus Sinn. Die gesundheitlichen Effekte sprechen für sich und ob zum kochen, backen oder braten, die Sporternährung wird in jedem Fall aufgebessert.

 

Kugelsicher schon zum Frühstück?

bulletproof coffeeKlingt doch verlockend: aufstehen, Kaffee aufbrühen, etwas Fett hier, Kokonussöl da und energiegeladen sowie stoffwechselangekurbelt in den Tag starten…! So schön sich das ganze anhört, solch ein Bulletproof Coffee mit Butter-und Kokosölzusatz bringt es im Schnitt auf etwa 350-400 Kcal! 400 Kalorien aus fettem Kaffee wohlgemerkt und so toll die gesundheitlichen Vorteile des Kokosöls auch klingen, Butter ist nicht unbedingt für seinen komplexen Nähr- und Mehrwert bekannt. Eiweiß und Ballaststoffe (die machen nämlich auch satt) gehen uns hier völlig verloren, wenn der Butterkaffee ein alleinstehendes Frühstück darstellen soll.

Gerade den Athleten und Hobbysportlern unter uns, deren Ziele im Muskelaufbau liegen, bleiben hier die vielen Vorteile eines proteinreichen Tagesstarts verwehrt. Ich verzichte also bereits zum Frühstück auf eine ausgewogene Mahlzeit wenn ich diese durch einen bulletproof Coffee ersetze.

Bulletproof Coffee vs. Sportler Frühstück

Stellen wir doch einfach beides unverblümt gegenüber, ein Vergleich zwischen Butterkaffee und einer normalen Frühstückvariante. Beim Bulletproof Coffee nach oben stehender Anleitung, hätten wir im Schnitt:

  • 0g Ballaststoffe
  • 1g Eiweiß
  • 50g Fett (davon 75% gesättigt)
  • 440Kcal

4 Rühreier mit einem Apfel am Morgen bringen es auf:

  • 5g Ballaststoffe
  • 25g Eiweiß
  • 26g Fett
  • 429Kcal

Zusätzlich ist der Anteil an essentiellen Nährstoffen im durchaus als ‚Low-Carb‘ durchgehenden Ei-Apfel Frühstück wesentlich höher.

Das passende Kokosöl

Natürlich kann man auch ohne Butter vom Energiekick und den vielen positiven Eigenschaften des Kokosöls profitieren. Also nicht nur für den Kaffee eine wertvolle Ergänzung zur täglichen Ernährung, hier der Amazon Beststeller:

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Fazit: Wann ist der Butterkaffee empfehlenswert?

Für extreme Frühstücksmuffel oder Sportler die sich gerade in einer ketogenen Diät befinden, kann solch ein optimierter Kaffee durchaus Sinn machen. Einfach ausprobieren und beobachten wie der Bulletproof Coffee wirkt und vor allem ob man sein Wohlbefinden damit steigern kann.

Sollte einem der Kaffee als Mahlzeitersatz also gut tun, dass eigene Wohlbefinden und Energielevel steigern, so spricht nichts gegen die Integrierung in den Speiseplan. Dennoch sollte man Bedenken, dass man eine vollwertige Mahlzeit mit Fett ohne relevante Nährstoffe auffüllt. Für Athleten unter uns denen es primär um den Aufbau von Muskelmasse geht, ist die proteinlose „Ersatzmahlzeit“ keine wirklich gute Idee um den Körper frühmorgens aus nächtlicher Katabolie zu wecken.

Einfach gesagt: es ist trotz der gesundheitlich positiven Eigenschaften des Kokosöls einfach nur verdammt viel Fett ohne einen wirklichen Nährwert zu bieten.

Dave Asprey und die Bulletproofdiät

Der Erfinder des Bulletproof Coffees ist natürlich auch Schöpfer der gleichnamigen Diät. 2 empfehlenswerte Bücher zum Konzept ansich und dazu passenden Rezepten finden sich hier:

Die Bulletproof-Diät: Verliere bis zu einem Pfund pro Tag, ohne zu hungern

Das Bulletproof-Kochbuch: 125 Rezepte für die Bulletproof-Diät

Quellen

[1] Is Butter Back? A Systematic Review and Meta-Analysis of Butter Consumption and Risk of Cardiovascular Disease, Diabetes, and Total Mortality 2016 Jun 29;11(6):e0158118

[2] Meta-analysis of prospective cohort studies evaluating the association of saturated fat with cardiovascular disease

[3] Association of Dietary, Circulating, and Supplement Fatty Acids With Coronary Risk: A Systematic Review and Meta-analysis

[4] Dietary Medium-Chain Triacylglycerols Suppress Accumulation of Body Fat in a Double-Blind, Controlled Trial in Healthy Men and Women

Über den Autor

Florian Kolditz

Florian Kolditz

Florian Kolditz ist Physiotherapeut und Lehrer für Fitness. 2005 gründete er unter dem Nicknamen "de-fortis" Muscle-Corps. Seit 6 Jahren ist er als Trainer und Berater im Gesundheitsbereich tätig.

Florian ist seit über 10 Jahren im Krafttraining aktiv und schrieb bereits über 100 Artikel für Muscle-Corps.

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