Motivation

Fitness Lifestyle: Sport Leben vs. Sport machen

Frau beim Stretching mit Fitness als Lebenseinstellung (Lifestyle)
Florian Kolditz
Geschrieben von Florian Kolditz

Sport oder Fitness als Lebenseinstellung oder neudeutsch Fitness Lifestyle? Hab ich doch längst – geht sicherlich jetzt raunend durch die Lesermenge…

Wer feste Ziele hat und ich meine damit wirklich das süchtige, selbstverliebte, egozentrische Verlangen einen dickeren Oberarm / Oberschenkel als alle anderen zu haben oder einfach nur ne Bombe beim Bankdrücken oder im Kreuzheben zu sein, der sollte einmal kurz überlegen ob er auch die nötigen äußeren Bedingungen für sich, seine Gesundheit und den gewollten Erfolg schafft.

Sportlicher Lifestyle direkt aus dem Leben gegriffen

Verzicht ist ein strenges Wort, auch Disziplin klingt unspaßig, spießig und verbohrt – doch unabhängig vom Sport schleichen sich gern Gewohnheiten und Bequemlichkeiten ein, die auch die Entwicklung der Person als solches beeinträchtigen können. Zugegeben, allgemeiner und pauschaler ging es wohl nicht und deshalb hier 2 Beispiele:

Person 1 (Bolle) ernährt sich wie ein Mülleimer, er geht jedes Wochenende in seine Kleinstadtdisco und macht sich total besoffen zu gängigen David Guetta Songs vor der Menge lächerlich. Sonntags steht er dann zwischen 13 und 16 Uhr auf, um sich gegen den Kater erstmal ne kühle Cola und ein Zigarettchen zu gönnen. Nach der Tiefkühlpizza, die er sich zwischendrin reingewürgt hat, schlendert er in sein Niedrigpreisfitnessstudio, in welchem ihm ein „hochqualifizierter“ Trainer einen wahnsinns 5er Split ausgedruckt hat. Er ist hochmotiviert, noch leicht besoffen und verbringt ca. 75% seiner Trainingszeit damit, sich mit Kalle und Ede darüber auszutauschen, ob die wasserstoffblonde Thekendame neben Zungen und Ohrknorpelpiercing noch anderes Metal an bestimmten Körperöffnungen besitzt. Nach dem Krafttraining gibts selbstverständlich einen Protein Shake von unserer Piercingmietze serviert. Bolle ist müde und macht sich auf den Heimweg – dort angekommen schaltet er seinen PC ein. Sein Schreibtischstuhl ist noch aus frühsten Kinderzeiten und extrem „rückenfreundlich“. Das stört ihn nicht, er läuft schließlich den ganzen Tag mit hängenden Schultern rum und bequem ist diese Sitzhaltung beim stundenlangen zocken ja auch… Der Gute trainiert seit 5 Jahren, ist 1.80m groß und wiegt 67Kg, seine Trainingsgewichte konnte er seit 2 Jahren nicht steigern aber Bolle ist verdammt stolz auf seinen Sixpack! Beine trainiert er nicht, er findet das Fahrradfahren und Fussballspielen ausreicht.

Person 2 (Kai) ist ein gelassener Zeitgenosse der gern Zeit mit seinen Freunden verbringt, er teilt sich seine Zeit jedoch genau ein und nimmt sich ab und zu mal ein paar belegte Brote mit Hähnchen mit, wenn er mit seinen Kumpels unterwegs ist. Er feiert gern und trinkt gelegentlich mal richtig einen über den Durst. Kai isst aber vor der Party meist nochmal ordentlich und stellt sich eine große Flasche Wasser ans Bett, die er dann am Abend zur hälfte leert, bevor er schlafen geht. Er nutzt jede Art von Belastung die sich ergibt. Für ihn ist jegliche Bewegung ein Training und so hilft er Freunden gern bei Umzügen oder beim Laminat-schleppen, wenn seine Freundin beschließt den Teppichboden doch nicht mehr so schön zu finden. Kai isst viel Obst und Gemüse, er steht auf Nüsse und Salate mit Fleisch und Fisch, gönnt sich ab und zu aber auch mal einen Döner oder was aus der Pizzeria. Sein Training findet in der Natur und in einem Fitnessstudio statt. Er liest nebenbei viel über sein Hobby und hat sich schon einige effektive Trainingspläne zusammengebastelt. Kai ist 1.78m wiegt 86Kg und freut sich darüber seit kurzem 100Kg für 10 Wiederholungen auf der Bank zu drücken und auch noch ständig größere Hemden kaufen zu müssen.

Eigenheiten vs. Eigenschaften

Unsere guten Eigenschaften müssen wir kultivieren – nicht unsere Eigenheiten. Etwas Leid und Verzicht gehört dazu um sich wenigstens kurz auf Zwischenzielen ausruhen zu können, die Sünde ist dabei für die meisten wichtig, nötig und zum Teil unverzichtbar. Dopamin und unser Belohnungszentrum spielen dabei eine große Rolle, je öfter ich sündige und „schwach“ werde, desto schwerer fällt der Verzicht auf Süßkram, Alkohol und co. Beispiel 1 zeigt uns natürlich völlig übertrieben wie ein Lifestyle aussieht, in dem Training eigentlich eine völlig untergeordnete Rolle spielt und wirklich kein äußerer Umstand dem sportlichen Ziel zuträglich sind. Übertrieben? Definitiv. Unrealistisch? – nein!

Kai geht einen Mittelweg, er richtet einiges in seinem Alltag nach dem Sport aus, er betrachtet Sport und Fitness als Lebenseinstellung und hat dennoch Spaß daran ohne wirklich verzichten zu müssen. Vieles ist Routine geworden und mit den Erfolgen, kommt auch die Motivation im Sport genau dort weiter zu machen, wo es weh tut.

Sport und Fitness als Lebenseinstellung

Ausgewogenes, progessives Training, weniger Fast Food und etwas mehr eiweißreiche Lebensmittel in der Ernährung machen schon viel aus – ein bescheidener Lebensstil, der sich lediglich auf 3h Sport die Woche beschränkt, hingegen einiges kaputt. Im folgenden eine Checkliste aus sinnvollen und zuträglichen Kleinigkeiten die in den sportlichen Lebensstil gehören und zum Teil selbstverständlich sind.

  • genug schlafen: je nach individuellem Bedürfnis 7-9h/Nacht, Powernaps inbegriffen
  • Einfachzucker/Süßkram weitesgehend reduzieren, besser mal nach dem Training platzieren
  • grüner Tee (regt den Stoffwechsel an, 1-3 Tassen/Tag)
  • mehr Gemüse als Obst konsumieren (Beerenobst bevorzugen)
  • weniger Alkohol, lieber selten etwas mehr als regelmäßig viel
  • Nüsse zwischendurch (hält BZ-Spiegel unten, gibt Energie)
  • täglich 1 Kiwi (deckt 80% des Tagesbedarf an Vitamin C)
  • ausgewogen und reichhaltig Frühstücken, im Notfall ein Bulletproof Coffee
  • 2x/Woche Rotatorentraining
  • nutze komplexe Grundübungen für dein Training, egal welche Ziele du hast!
  • stark verarbeitete Nahrung (Fertigprodukte/-Soßen) meiden
  • „verkürzte“ und verspannte Muskeln stetig kurz, aufgewärmt und intensiv dehnen
  • bei längeren Schreibtischsessions viele Pausen einlegen – aufstehen, bewegen, mobilisieren
  • Foam Rolling min. 3/Woche – die Faszien danken es, Verspannungen reduzieren sich
  • öfters mal an die frische Luft und jede sich bietende Belastung nutzen
  • heisse Dusche/Sauna nach dem Training (nicht bei hochintensiven Einheiten)
  • gute Öle (Lein-, Walnusskern-, Kokosöl), Fisch (Omega Fette nutzen)
  • nach dem wach werden ein paar Übungen mit dem eigenen Körpergewicht/mobility work
  • positiv denken stärkt Geist, Körper und die Haltung
  • ständig die Augen nach weak links (Schwächen) offen halten
  • Zeit für sich selbst suchen und diese auch nehmen
  • Dragon Flags und Planks sind keine Energydrinks!
  • Zink und Vitamin D3 können sinnvolle Supplemente sein, Weightgainer und L-Carnitin nicht!
  • versuchen vermeidbaren Stress zu reduzieren, Entspannung oder Meditation einbauen
  • weniger Multimedia (gerade vor dem Schlafen) – mehr Natur und Bewegung
  • wenigstens 1x am Tag schwitzen (ob Krafttraining, Ausdauer, Gartenarbeit oder beim Sex)
  • wenigstens 1x am Tag an die frische Luft und Sonne zum Vitamin D tanken
  • genug Wasser trinken, Cola und gezuckerte Säfte reduzieren
  • Transfette (Chips, Pommes) und Süßstoffe (insb. Aspartam) aus Light-& Diätprodukten meiden
  • passendes Essen nach dem Training (optional: Dextrose/reife Banane + Wheyprotein + 5g Creatin)
  • beim shoppen so weit wie möglich vom Zielort wegparken – > Bewegung und dabei nörgelnde Freundin ignorieren

Fitness als Lebenseinstellung? Sport machen vs. Sport leben

Jeder sollte für sich selbst entscheiden welche Rolle das Training, egal welchem Zweck es dienen soll, in seinem Leben einnimmt. Je mehr ich allerdings erreichen will und desto höher meine Ziele gesteckt sind, desto mehr Punkte dieser Checkliste sollten im Alltag auch beachtet werden. Andernfalls wären Golf oder Schach vielleicht eine Alternative, am Stammtisch ist sicher auch immer ein gemütliches Plätzchen frei… Und keine Angst, zwischen Profisportler und Bolle gibt es genug Graustufen. Schwarz-weiß Denken bringt auch im sportlichen Bereich mehr Fragen als Lösungen.

Anregungen, Trainingspläne und einen perfekten Einstieg bietet ergänzend dazu das Buch „Krafttraining Enzyklopädie“ von Jim Stoppani. Motivierende Programme für jegliche Art des Trainings, ob TRX, Bodyweight oder freie Gewichte für Fitness und Muskelaufbau.

Krafttraining – Die Enzyklopädie: 381 Übungen und 116 Trainingsprogramme für optimalen Muskelaufbau, maximale Kraftsteigerung und Fettabbau

Über den Autor

Florian Kolditz

Florian Kolditz

Florian Kolditz ist Physiotherapeut und Lehrer für Fitness. 2005 gründete er unter dem Nicknamen "de-fortis" Muscle-Corps. Seit 6 Jahren ist er als Trainer und Berater im Gesundheitsbereich tätig.

Florian ist seit über 10 Jahren im Krafttraining aktiv und schrieb bereits über 100 Artikel für Muscle-Corps.

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