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Memory Effect

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  #1  
Alt 11.09.2008, 17:24
Benutzerbild von STCH
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Registriert seit: 29.07.2007
Ort: Im Norden
Beiträge: 410
Standard Memory Effect

Ich hoffe, dies ist das richtige Unterforum zum Thema Memory Effect..

Wie funktioniert der Memory Effect, d.h., wieso baut man wieder schneller Kraft und Muskelmasse auf, wenn man schon einmal entsprechende Kraft- und Körperwerte hatte (selbst wenn dies schon einige Jahre zurückliegt)?

Grüße!
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  #2  
Alt 11.09.2008, 17:38
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Beiträge: 10.414
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Standard AW: Memory Effect

Zunächst mal ist der Mem-Effekt ähnlich wie die Muskelhyperplasie, relativ unerforscht. Warum sich die Wissenschaftler darum wenig kümmern, weiß ich auch nicht, vermutlich fehlts an Geld und allgemeinem Interesse, jedoch bin ich natürlich ständig auf der Suche und versuche mich im Bereich der Muskelphysiologie weiterzubilden. In meinem bald aufs Portal kommenden Artikel über die Muskulatur, werde ich es vermutlich auch anschneiden. Man geht grob gesagt davon aus, dass das Kraftniveau ansich im Hirn "gespeichert" wird, auf nervaler Ebene wird dieses "Gedächtnis" angelegt und neue Kraftwerte werden vermerkt. Muskulär gesehen soll es einen Zusammenhang mit der DNS der Muskelzellen geben, von denen es pro Faser bis zu 40 gibt. Diese DNS registriert das Niveau des alten und neuen Querschnitts und kann somit nach Atrophie/Sarkopenie, wahrscheinlich besser und schneller auf kommende induzierte überschwellige Reize reagieren. Soviel zur Theorie und den bisherigen Vermutungen, empirisch gesehen funktionierts
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  #3  
Alt 11.09.2008, 20:03
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Standard AW: Memory Effect

Ah, ok; vielen Dank! Weißt Du, ob dieser Effekt ein Leben lang (zumindest solange man altersbedingt nicht abbaut) abrufbar ist oder ob er nach einigen Jahren "verblasst"?

Ist es eigentlich noch strittig, ob
Zitat:
Zitat von de-fortis Beitrag anzeigen
Muskelhyperplasie
überhaupt existiert?

Grüße?
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  #4  
Alt 11.09.2008, 21:33
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Standard AW: Memory Effect

"verblassen" tut(man tut nicht tun) im Alter so einiges, da auch die Synapsenanzahl abnimmt, ist die Antwort auf Reize dementsprechend gering. Der dazu veränderte Hormonhaushalt bewirkt sein übriges [1], ansich wird sich die Fähigkeit nicht verändern, durch genannte Faktoren wird sie allerdings ebenso stark abgeschwächt.


Zitat:
Ist es eigentlich noch strittig, ob Muskelhyperplasie überhaupt existiert?
Jein, in die Physiologiebücher haben es bislang nur wenige Informationen über HP geschafft. Man geht davon aus, dass sie theoretisch funtioniert da auch bei Mäusen und u.a. einer verunglückten Menschengruppe nachgewiesen. Starke Dehnreize(siehe exzentrische Kontraktion) sollen sie auslösen, ein Kritikpunkt aber: Muskel-Hyperplasie ist die Tatsache das eine rein physiologische Hyperplasie durch mitotische Teilung abläuft, der Muskelfaser ein solcher Mechanismus allerdings nicht gegeben ist.


[1] Baumgartner RM, Koehler KM, Gallagher D, et al. 1998. Epidemiology of
sarcopenia among the elderly in New Mexico. Am J Epidemiol 147:755-763.
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  #5  
Alt 11.09.2008, 23:15
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Beiträge: 410
Standard AW: Memory Effect

Zitat:
Zitat von de-fortis Beitrag anzeigen
ein Kritikpunkt aber: Muskel-Hyperplasie ist die Tatsache das eine rein physiologische Hyperplasie durch mitotische Teilung abläuft, der Muskelfaser ein solcher Mechanismus allerdings nicht gegeben ist.
Hehe, das ist ein ziemlich schlüssiger Kritikpunkt! Danke sehr!
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Weiterführende Informationen:
  #6  
Alt 29.01.2009, 18:41
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Beiträge: 15
Standard AW: Memory Effect

Zum Thema Kraft: Kraft ist eine Fähigkeit, nicht nur physikalische Eigenschaft des Muskelquerschnittes, sondern vielmehr die Effizienz der Muskelaktivierung. Der Muskel besteht aus Faserbündeln, die von einem Nerven aktiviert werden, die sogenannte motorische Einheit. Die mEs des Muskels sind unterschiedlich gestaltet in Bezug auf ihre Faserzusammensetzung, Größe, Reizbarkeit etc. Daraus ergibt sich ein bestimmtes Erregungsmuster, das optimal an eine Belastung angepasst ist, weil die Struktur des Muskels optimal ausgenutzt wird (in Bezug auf diese spezielle Belastung). Gleichzeitig spielt die intermuskuläre Koordination eine Rolle - also wie gut arbeiten die Muskeln in bestimmten Gelenkwinkeln zusammen, auch das ist eine Fähigkeit, die vom Nervensystem quasi erlernt worden sein muss. Auf die genauen Hintergründe neuronaler Lernvorgänge einzugehen würde viel zu weit gehen, Tatsache ist jedoch, dass gelernte Vorgänge eine ganze Zeit in Form struktureller Veränderungen der Nerven und des Nervensystems erhalten bleiben können. So wie ein Profifußballer nach 10 Jahren Abstinenz wohl immer noch in gewissem Maße mit dem Ball umzugehen weiß gilt das ähnlich für den Kraftsportler.

Außerdem kommen strukturelle Faktoren hinzu. defortis hat es angesprochen, es ist schwer, tatsächliche "Beweise" zu finden. Hyperplasie halte ich persönlich für den geringeren Faktor des Memory effects. Viel entscheidender sind die sogenannten Satellitenzellen, Vorläuferzellen, die sich am Muskel befinden und auf Trainingsreize reagieren können. Die Muskelzelle als solches ist übrigens die Muskelfaser. Die Zellzahl nimmt also nicht zu, es sei denn bei der Hyperplasie. Was jedoch veränderlich ist, ist die Anzahl der Zellkerne als Organisationszentren der DNA-Proteinmaschinerie. Entgegen den meisten Körperzellen ist die Muskelfaser eine vielkernige Zelle. Ein solcher Kern besitzt ein gewisses Plasmavolumen, in dem er Proteinab- und aufbau kontrolliert, die sogenannte "myonuclear domain". Wächst ein Muskel, so können durch Mikrotraumata und die dadurch ausgeschütteten Mediatoren Satellitenzellen zur Verschmelzung mit der Muskelfaser angeregt werden. Die Zahl der Kerne innerhalb der Muskelfaser wächst und somit das Potential, ein größeres Plasmavolumen zu kontrollieren. Das ist wohl ein entscheidender Mechanismus im Dickenwachstum von Muskeln. Man kann feststellen, dass bei Unterbrechung des Trainings zwar das Muskelvolumen abnimmt, die Zahl der Kerne jedoch zunächst nicht. Der Muskel behält sich also bei, dass unter anderen Bedingungen wieder schnell ein großes Muskelvolumen benötigt werden kann und deswegen geht der Wiederaufbau schneller vonstatten.

de-fortis,
Wenn du deine Aussagen bezüglich der DNA-Regulationsebene ("Gedächtnis" der DNA bezüglich des Muskelquerschnittes) in Form von wissenschaftlichen Quellen nocheinmal darstellen könntest wäre ich dir sehr dankbar. Sollte es diese Regulationsmechanismen auf Genomebene geben habe ich davon noch nichts gelesen, aber es ist sehr gut vorstellbar und ich hätte großes Interesse an wissenschaftlichen Arbeiten zu diesem Thema.
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  #7  
Alt 29.01.2009, 20:19
Wursti
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Memory Effect

Hey, Disse. Cool, dass du da bist.

Forti meinte mit großer Wahrscheinlichkeit die vergrößerte Menge an Zellkernen pro Zelle, als er von Gedächtnis gesprochen hat.
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  #8  
Alt 30.01.2009, 08:16
Benutzerbild von dissection
MC-Neuling
 
Registriert seit: 29.01.2009
Beiträge: 15
Standard AW: Memory Effect

Hallo Wursti.

Es kann durchaus sein, dass über Genommodifikationen eine langfristige An- oder Abschaltung von Genen bzw. Verstärkung/Abschwächung geschieht (z.B. durchDNA-Methylierung etc) Insofern kann das gut sein, wenn er dazu was hat würde ich das echt gerne sehen.
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