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Bodybuilding 2.0 – wie das Internet das Bodybuilding verändert hat

Veränderung des Bodybuilding durch das Internet
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Geschrieben von Klaus Berbig

Das World Wide Web bietet heutzutage Hilfe in jeder Lebenslage, egal ob es der Partnerfindung, dem Lernen (und Abschreiben) für Schule und Universität, der Beschaffung von Musik, Filmen und Pornographie oder einfach nur der Information über die Geschehnisse in der ganzen Welt dient, im Internet findet man praktisch alles.

Und, wie sollte es anders sein, das Internet ist selbstverständlich auch ein ständig wachsender Quell von Informationen zum Thema Bodybuilding und Kraftsport. Neben den eher inhaltslastigen Seiten, die vor allem in Artikelform Wissen verfügbar machen wollen, spielen dabei die Internetforen zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch eine ganz besondere Rolle.

Gab es vor Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum nur ein solches, das altehrwürdige und längst verschwundene „Bodybuilding 2000-Forum“, so tummeln sich heute dutzende am Markt. Viele kleinere, die oftmals keine lange Lebensdauer haben, aber auch einige Platzhirsche mit Benutzerzahlen, die weit über 100.000 liegen und in denen es zugeht, wie in einem Taubenschlag. Hier wird alles diskutiert, egal ob es die neuesten Trainingssysteme, besten Ernährungsweisen, effektivsten Supplements oder, wenn auch nicht bei allen, die richtige Anwendung von Hilfsmitteln ist.
Genau in der Masse an Informationen liegt aber das Problem.

Besonders Anfänger, die sich über Möglichkeiten informieren möchten, wie sie ihr Training oder ihre Ernährung verbessern können, werden von diesen Informationen geradezu erschlagen. Dies passiert umso leichter, als ein Anfänger nicht das Wissen haben kann, um aus den vielen Informationen das für ihn Nützliche und vor allem Richtige zu selektieren.

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Nun könnte man meinen, dass man sich einfach an die erfahrenen User eines solchen Internetforums hält, doch woher soll man wissen, wer wirklich Erfahrung besitzt? Am hinterlegten Userprofil? Kaum, da in den meisten Fällen hier um etliche Zentimeter Umfang, Kilogramm oder Körperfettprozente geschummelt wird, wenn ein solches Profil überhaupt vorhanden ist.

Auch Bilder sind oftmals nicht aussagekräftig, da aus unmöglichsten Kamerawinkeln fotografiert wird, um durch Verzerrungen den betreffenden Bereich möglichst massiv wirken zu lassen, sofern die Bilder überhaupt wirklich von dem User stammen. Von anderen wird wiederum die abgelichtete Muskelpartie (denn Ganzkörperfotos stellen selbstredend die wenigsten ein) vorher maximal aufgepumpt, um dann das Ganze als in kaltem Zustand fotografiert zu verkaufen.
Das solche Manipulationen nicht auffallen, hat einen ganz einfach Grund: Bis auf wenige Ausnahmen sind alle User anonym und so kann man die Angaben nicht verifizieren.

Aber natürlich gibt es auch viele weit fortgeschrittene Sportler mit Jahren an Trainingserfahrung, bis hin zum international erfolgreichen Wettkampfbodybuilder und Powerlifter. Was könnte man sich besseres vorstellen, als sich Trainingstipps von einigen der besten deutschsprachigen Athleten zu holen, zumal diese meistens gerne Auskunft geben, wenn man sie nett darum bittet?

Doch auch dies wird vielfach mit einem weiteren Phänomen der Internetforen boykottiert, der allgegenwärtigen Respektlosigkeit. Die Anonymität macht es möglich. Kaum hat ein solcher Athlet einige seiner Erfahrungen gepostet, schon driftet das Gespräch in die Richtung „was für Steroide nimmst du, dass du so aussiehst“.

Andere „Experten“ kommen mit pseudowissenschaftlichem Geschwafel, wieso die Erfahrungen des Athleten falsch sind, stehen sie doch vielleicht im Gegensatz zu irgendwelchen Thesen, die einer der zahlreichen Gurus in einem anderen Internetforum vertritt. Das geht dann so weit, dass z.B. die Technik eines Weltmeisters im Powerlifting beim Maximalversuch im Kreuzheben kritisiert wird, denn so werde man sich bald verletzen, oder beispielsweise einem Top-Bodybuildingprofi erzählt wird, dass er in seinem Video nur halbe Wiederholungen im Schulterdrücken macht und für gute Schultern doch besser richtig trainieren solle.

Schreiben in einem Internetforum

Leute, die noch vor wenigen Monaten nicht einmal wussten, wie man das Wort „Bodybuilding“ überhaupt schreibt, erzählen gestandenen, erfolgreichen Sportlern, wie sie trainieren sollten – eine Farce, ähnlich einem Fußballstammtisch, wo sich alle für den besseren Bundestrainer halten. Der Unterschied ist nur, dass niemand dies Jogi Löw wirklich sagen würde, aber in einem Internetforum ist man ja anonym.

Leider ist es dort außerdem oft so, dass derjenige, der am lautesten trommelt auch am meisten wahrgenommen und respektiert wird und dieses Klientel ist es oftmals, die zu jedem Thema ihren Senf dazugeben muss. Hand aufs Herz, hättet Ihr da noch Lust Anfängern Tipps zu geben?

Vielleicht fragt Ihr Euch jetzt, was das alles mit dem Anfänger in der Einleitung zu tun hat. Ganz einfach, man erlebt immer wieder junge Bodybuilder, die sich im Internet informieren wollen und anschließend völlig verwirrt weiter nachfragen, mit welchem Trainings- und Ernährungssystem sie denn nun ihren Traumkörper am schnellsten erreichen können, die schnellste Kraftsteigerung bekommen und mit welchen Supplements sie dies am besten unterstützen könnten. Nicht selten wurden vorher schon mehrere dieser Programme für ein paar Wochen ausprobiert und dabei nur sehr geringe Fortschritte gemacht. Auf die Frage, wie sie denn auf diese ganzen Ideen kommen, antworten sie dann immer: „Das habe ich in Forum XY gelesen.“

Und genau da liegt der Hund begraben. Für einen Anfänger ist es praktisch völlig egal, nach welchem System er seinen Körper fordert, solange er dies nur intensiv genug tut, ihm genug Nährstoffe gibt und anschließend Ruhe lässt, damit er wachsen kann.

Hart trainieren, viel essen, gut schlafen, wachsen – das ist das Credo, das Generationen erfolgreicher Bodybuilder hervorgebracht hat.

Ein Anfänger wächst mit jedem Programm, solange er es nur diszipliniert über einen längeren Zeitraum verfolgt und nicht nach ein paar Wochen alles wieder über den Haufen wirft, womit er jedes Mal wieder von vorne anfängt. Lasst Euch nicht von den ganzen Pseudo-Internetexperten etwas anderes erzählen, wo jeder den heiligen Gral anpreist. Die meisten von diesen waren vor kurzem noch genau solche Anfänger wie Ihr.

Sucht Euch ein(!) Programm, besprecht dieses gegebenenfalls mit eurem Trainer vor Ort und zieht es dann konsequent durch. Wenn Ihr erst einmal einige Zeit am Ball seid, Erfahrungen gesammelt und Euren Körper kennen gelernt habt, dann werdet Ihr auch die nützlichen von den nutzlosen Informationen im Internet unterscheiden können und vielleicht damit anderen Anfängern wirklich weiterhelfen.

 

Quelle

Erik Dreesen – http://web.archive.org/web/20130117075231/http://bambamscorner.com/home/view/bbview7.html

Über den Autor

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Klaus Berbig

Klaus Berbig ist Jahrgang 1950 und seit dem 1972 am Eisen.

Er nahm bisher an Wettkämpfen im Kulturistischen Fünfkampf (Schlußweitsprung, Bankdrücken, Klimmziehen, Kniebeugen, Athletischer Eindruck), im Kulturistischen Vierkampf (Bankdrücken, Athletischer Eindruck, Pflichtposen, Kürposen) und im Kulturistischen Dreikampf teil.

Desweiteren nahm er an Wettbewerben des NAC, der GRAWA, IRP und des UPC teil. Sein letzter Wettkampf war im März 2016 bei der DM des UPC in Eilenburg.